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Trausnitz stellt sich vor - Ein König an der Kette


Kultur-Tour 2011



 Versöhnung zwischen Bayern und Habsburgern in Trausnitzer Kapelle

Bekannt ist die 950 Einwohner zählende Gemeinde vor allem für ihre Burg, in der seit 1997 eine Jugendherberge untergebracht ist. Doch Trausnitz hat noch mehr zu bieten, ist Bürgermeister Hubert Pröls überzeugt und führt den Berg hinauf zur Versöhnungskapelle.

795 ist der Sachsenturm unter Karl dem Großen erbaut worden. „Das ist das zweitälteste intakte Gebäude in Deutschland“, erzählt Pröls stolz. An den Sachsenturm ist die Versöhnungkapelle angebaut. Friedrich der Schöne von Habsburg und Ludwig der Bayer haben sich, obwohl sie zusammen auf dem Hof in Wien aufgewachsen sind, bekriegt. „Ludwig der Bayer war mit wesentlich weniger Rittern da als Friedrich der Schöne“, weiß der Bürgermeister über die Entscheidungsschlacht bei Mühldorf.

Doch die Streitkräfte von Friedrich waren in Bayern bei Ordensleuten untergebracht, die die Ritter betrunken gemacht haben. So hat Ludwig der Bayer die Schlacht bei Mühldorf gewonnen und seinen Kontrahenten um die Krone des Heiligen Römischen Reichs zwei Jahre lang in der Burg Trausnitz im Tal eingesperrt.

Von der Kette, mit der Friedrich gefesselt gewesen sein soll, ist noch ein Stück übrig, das jetzt in der Kapelle rechts vom Eingang hängt. Darüber ist ein Gemälde angebracht, dass die Versöhnung der beiden Streithähne 1325 in eben dieser Kapelle zeigt. Daher kommt auch ihr Name.

Früher soll der ganze Ort laut Bürgermeister Pröls Sachsenkirchen geheißen haben. Karl der Große habe nämlich Leute von Dresden im Zuge der Christianisierung hierher versetzt.

Ein wahrer Völkeraustausch. Daneben der Kette ist eine Gedenktafel für Pfarrer Johann B. Schütz an der Wand befestigt. Er hat eine Chronik von Trausnitz verfasst und dafür Geld gesammelt. Auch von Wien habe er Spenden erbeten, aber nur drei Eier bekommen, lacht Pröls.

Unter den Gemälden sind Wappen der Adelsgeschlechter zu sehen, die einmal in der Burg Trausnitz lebten. „Die sind alle nicht alt geworden“, behauptet Hubert Pröls, Inzucht hätten sie getrieben, „die Hanakamms gab es zum Beispiel nur von 1763 bis 1768.“ Auch auf der neuen Brücke, die nach Trausnitz führt, sind die Wappen auf dem Geländer angebracht.

Die Burg Trausnitz war um 1220 fertig. In den umliegenden Gebäuden war später eine Brauerei untergebracht, dann eine Gastwirtschaft und eine Metzgerei. Für gut rund 5 Millionen Euro wurde die Burg saniert und mit dem Gehöft 1997 in eine Jugendherberge verwandelt. 130 Betten beherbergt sie nun, auch in der Burg sind Schlafmöglichkeiten. „Raritäten sind in der Burg aber nicht mehr drin“, so Pröls. Früher haben Raubritter in ihr gehaust, jetzt beherbergt sie vor allem Schüler und deren Betreuer, bis zu 20 000 Übernachtungen hat die Jugendherberge im Jahr zu verbuchen.


 

 

 

 Vom Pfreimd-Tal aus hat man einen
schönen Blick auf Burg und Gemeinde

 Der Sachsenturm wurde unter Karl dem Großen erbaut.
Anstelle der Kapelle stand dort vorher wahrscheinlich eine
zum Turm gehörende Kirche

 Darstellung der Auferstehung

     
   

 

   

     

 Zwei der Gemälde der Kapelle: Rechts eine Schlacht zwischen
Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen, links deren Versöhnung.
Darunter hängt die Kette, mit der Friedrich gefesselt war.

 

 Der Innenraum der Kapelle erinnert mit den bemalten Gewölberippen
an die Schwandorfer Jakobskirche. Auf den Schlusssteinen der Bögen ist
das Wappen der Zenger angebracht.

     

 

Quelle "Der Neue Tag" v. 24.08.2011   (Kultur-Tour 2011)



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